Was ist „Geopolitical Fiction“?

Geopolitical Fiction nennen wir ein literarisches Genre, das sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat und als Reaktionsbildung auf die kolonialistischen und globalisierenden Tendenzen der Zeit zu verstehen ist. Die Geschichten, die hier erzählt werden, handeln von der Gefahr kontinentaler Kriegsführung, dem „Endkampf“ der verschiedenen „Rassen“ um die globale Vorherrschaft, der weltweiten Rohstoffproblematik und immer wieder von den unbegrenzten Möglichkeiten der modernen Technologie. Der poetologische Imperativ dieser Geopolitical Fiction ist das Denken in großen Zusammenhängen. Auf dem Spiel steht oft nicht weniger als die Zukunft der Welt oder, gelegentlich synonym verwendet, die der abendländischen Kultur.

Was will diese Webseite?

Zuerst einmal das Konzept der Geopolitical Fiction vorstellen. In der bisherigen Forschung zur Trivialliteratur des frühen 20. Jahrhunderts sind die in Frage kommenden Texte (wenn sie überhaupt auftauchen) unter den verschiedensten Genre-Bezeichnungen (Abenteuerliteratur, Science Fiction, Utopie usw.) verstreut verbucht und dementsprechend noch nie im Zusammenhang untersucht worden. Diese Webseite möchte die empirische Grundlage für die weitere Forschung zu einer kulturgeschichtlich höchst interessanten Gattung bereitzustellen. Präsentiert wird deshalb eine ausführliche (aber selbstverständlich immer noch unvollständige) Bibliographie relevanter Titel, sowie einige relevante Paratexte (Cover, Rezensionen), Inhaltsangaben und Biographien.

Wir danken dem Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin für die Ermöglichung des Projekttutoriums, dessen Ergebnisse hier präsentiert werden.